08.08.08 Erzgebirge Aue vs. FC St. Pauli

Daniela Schwabel am 14. August 2008

Was war denn da los…sag mal…..

Eine Schnapszahl zum Pokalspiel-Auftakt. Kann das wirklich gut gehen? Schließlich halten Ehen, die an solchen Daten geschlossen werden, laut Statistik ja nur selten für die Ewigkeit. Aber wie ist das mit Fußballspielen an solch besonderen Tagen? Hat da schon mal einer Buch geführt? Klar, Fußball und Ehe miteinander zu vergleichen ist schon ein wenig weit hergeholt, gar keine Frage! Aber auch bei so einer Statistik würde das Augenmerk ja letztendlich auf der „Scheidung“ liegen und auf das, was am Ende dabei raus käme. Betrachtet man also das heutige Ergebnis, möchte man meinen, dass die Dinge wohl doch nicht sooo weit voneinander entfernt liegen…jedenfalls nicht aus Sankt Pauli-Sicht.

Die neue Saison zum Greifen nahe, musste sich unser alles geliebter Ballsportverein an diesem Freitag also dem schweren Pokalspiel-Los Erzgebirge Aue stellen. Wie stark ein „Underdog“ in diesem Turnier sein kann, hatte Sankt Pauli in der Vergangenheit ja selbst eindrucksvoll bewiesen. Nichtsdestotrotz ging unsere Mannschaft so positiv wie möglich an die Partie heran…wer will denn auch schon zu Beginn gleich so miesepeterig sein?

Dennoch schien Sankt Pauli lange Zeit nicht ins Spiel zu finden und so war die erste Halbzeit gespickt mit schmerzhaften Ballverlusten und Atemstillständen. Wie jetzt, Atemstillstände? Nein, keine Sorge, nicht medizinisch gesehen…rein seelisch. Und das lag vor allem an einer scheinbaren kleinen Privatfehde zwischen Morike „Antenne“ Sako und dem Schiedsrichter Manuel Gräfe, die mit der gelben Karte in der zweiten (!) Minute ihren Lauf nahm. Gerechtfertigt oder nicht, ganz nach Sako-Art musste gemeckert werden, was sicherlich auch dazu führte, dass Schiri Gräfe nun permanent ein Auge auf ihn warf. Nur was war zuerst da, das Huhn oder das Ei? Nun ja, ein bisschen Geben und Nehmen- um hier weiter in Redewendungen zu sprechen- aber mal ehrlich, Gräfe pfiff extrem kleinlich und provozierte Sako dadurch nur noch mehr. Aus der Vergangenheit wissen wir ja, wat für’n Temperamentsbolzen unsere Antenne ist. Gräfe „provozierte“ und Sako ließ es zu, wodurch unsereins im Geiste schon mehrmals Gelb-Rot sah. Einige der Fans um mich herum wären wohl liebend gerne in den Fernsehbeamer gestiegen und hätten Sako eigenhändig vom Platz geholt. Mussten sie aber nicht, denn Stani hatte kurze Zeit später ebenfalls die Faxen dicke und wechselte fünf Minuten vor der Pause Ebbers ein. Fazit der ersten Halbzeit? Die Erzgebirge-Fans hatten dank des Schiedsrichters ihr Feindbild und wir ebenfalls. Sankt Pauli ideenlos und Erzgebirge Aue machte hinten so dermaßen dicht, dass der offensivste Spieler noch meterweit hinter der Mittellinie in der eigenen Hälfte stand. Da war nicht viel Platz und da gab es erst recht kein Durchkommen. Blieb zu hoffen, dass sich die Gemüter ein wenig beruhigten.

Nun ja…zumindest glichen sich die Mannschaften an. Aue nahm das Tempo raus und Sankt Pauli kam tatsächlich öfter durch. Bis hierhin wollte ich ja eigentlich Sako und sein ich-lass-alles-raus-und-denk-nicht-an-die-Konsequenzen-Spiel zum Thema der Diskussion machen. Bis…ja bis Eger in der 64. Minute wegen einer Tätlichkeit vom Platz gestellt wurde. Mal ehrlich, es war blöd…Eger hat sich da zu was hinreißen lassen. Aber muss er für so was vom Platz gestellt werden? Immerhin war das ja wohl eher ein Schulterstreicheln, als der Schlag ins Gesicht, von dem der Auer so grandios zu Boden ging. Zumal dieser ja zuvor selbst recht aggressiv in den Zweikampf eingestiegen war. Ganz großes Kino! Nichtsdestotrotz fand Schiri Gräfe damit endgültig seinen Platz ganz oben auf meiner roten Diskussionsliste. Aber dazu später mehr…

Sankt Pauli spielte fortan in Unterzahl und schien plötzlich wie ausgewechselt. Da kamen auf einmal Leben und Aggressivität ins Spiel (ja, als hätten wir davon nicht schon genug gehabt, klar, aber hier rein spielerisch gemeint). Es sah fast so aus, als wollten die übrigen 10 „Paulianer“ diesen übertriebenen Ausfall rächen…ohne in irgendeiner Form pathetisch klingen zu wollen. Aus welchem Grund auch immer, Sankt Pauli war nun wach und so mancher Fan hegte jetzt die lautstarke Hoffnung, doch noch glücklich und vor 12 zuhause zu sein. Dabei setzten sich die Erzgebirgler ja nun schon selbst außer Gefecht (siehe Platzwunde). Trotzdem schafften es eben diese kurz vor Ablauf der 90 Minuten doch noch für arges Herzklopfen und neue Dezibel-Werte zu sorgen, als der Schuss von Paulus nur knapp am Tor vorbei in die Verlängerung ging. Aber auch in den folgenden Minuten war nicht mehr viel zu holen, außer vielleicht noch mehr Bier im Zuschauerraum. Und lange Zeit recht unauffällig, als ob Herr Gräfe sich wieder ins Spiel bringen wollte, ließ er doch tatsächlich den verdienten Freistoß für Sankt Pauli nicht mehr ausführen, um pedantisch pünktlich die erste Halbzeit der Verlängerung zu beenden. Sein Name auf der Liste fing jetzt an, ganz penetrant zu blinken!

Was nun unaufhaltsam zur Gewissheit wurde, war des Einen Freud, des Anderen Leid…Elfmeterschießen. Eine Sache konnte man also mit Sicherheit von diesem Spiel behaupten…es blieb spannend. Aber meine Güte, warum bitte konnten die Auer nicht wenigstens einen vermaledeiten Ball verschießen??? Stattdessen landeten die Bälle auch noch so wuchtig und gut geschossen im Tor, dass man ihnen dafür widerwillig Respekt zollen musste. Da aber anscheinend Ebbers den schwarzen Peter des Tages gezogen hatte und als Elfmeterschütze eingeteilt wurde, war klar was nun kommen musste (ja, man redet sich solche „Strohhalme“ im Nachhinein gerne ein). 5:4 das Ergebnis, das für Sankt Pauli das Pokal-Aus bedeutete. Unser Fazit? Der 08.08.08. ist also kein gutes Datum für den FC Sankt Pauli…dennoch, das Glas ist bekanntlich halb voll und Generalproben müssen schief gehen…so war das schon in der Fahrschule. Was zählt, ist die Liga!

Doch noch mal zurück zu meiner inzwischen schon ausflippenden, rot blinkenden Liste. Was war denn bitte mit dem Schiedsrichter los!? Bis kurz vor Karte Rot war ich ja fast noch der Meinung, dass Herr Gräfe zwar etwas kleinlich, aber nicht unbedingt schlecht pfiff. Tja, bis dann eben diese eine Karte kam. Gut, unsere Jungs haben sich z.T. auch nicht gerade mit Ruhm bekleckert…Aber Hallo??? Herr Gräfe, sind Sie nicht auch der Meinung, dass wir uns da ein bisschen arg auf den „Bösewicht“ Sankt Pauli eingeschossen haben? Etwas weniger pingelige Tugend hätte es sicher auch getan.

Was meint Ihr? War die Karte für Eger gerechtfertigt, oder hat Herr Gräfe nur einen Ersatz für den ausgewechselten Sako gesucht? Und was war überhaupt mit dem Freistoß, der nicht mehr ausgeführt wurde? Wer jetzt denkt „öööh nicht schon wieder so eine schnöde Schiri-Diskussion“, der ist ebenfalls herzlich willkommen, seine Sicht der Dinge zu präsentieren. Hat Sako möglicherweise sogar den Stein ins Rollen gebracht, in dem er den Schiedsrichter überhaupt erst in diese Stimmung provoziert hat? Denkt einfach an das Huhn und das Ei…

Aus der Rubrik »Spielprosa« | Keine Kommentare

Einen Kommentar schreiben