Ein Mann mehr…zwei Tore zu wenig
Daniela Schwabel am 7. März 2010
Sankt Pauli bei 1860 München…
…so richtig Spaß macht das ja nicht, wenn man all die Wochen und Monate zuvor so erfolgsverwöhnt Fussball schauen konnte…und nu? Nicht so erbaulich was die Herrschaften da abliefern…als wär’s ihnen zu kalt…es kann doch nicht sein, dass wir ein Mann mehr aufm Platz sind und die Löwen spielen lassen wie sie lustig sind? Dabei sah’s ja mit Beginn der zweiten Halbzeit gar nicht mehr soo schlecht aus. Aufgeweckt durch die Halbzeitansprache machte Sankt Pauli Druck, erreichte den Ausgleich und wir alle dachten…jetzt geht’s aufwärts! Endlich wieder ein Tor…um zahlreiche Kommentatoren zu zitieren: “nach 355.000.000 Millionen Minuten ohne Tor”…(mal ehrlich – haben die eine “Atomuhr”, die nur die Torflauten abzählt?)..die Freude währte bekanntlich nicht allzu lange, da fiel auch schon das 2:1 für die Löwen. Ein Mann weniger? Merkte irgendwie keiner…lag es daran, dass der Platzverweis bereits in der 7. Minute angezeigt wurde? Das kann schonmal in Vergessenheit geraten, wenn man praktisch noch das ganze Spiel vor sich hat…
Ein eisiger Wind wehte auf jeden Fall in München…keine angenehmen Spieltemperaturen. Und wir in Hamburg machten es natürlich aus reeeiner Solidarität vor dem Knust, am Aussenfernseher, gemütlich…*bibber*…wer zu spät kommt, den bestraft der Wettergott. Blieb nur die Hoffnung auf ein Torreiches Spiel, auf dass wir möglichst viel springen durften!
Dabei fing das Spiel ja auch recht cool an…zumindest mit riesen Traraaa
Boll bringt Pappas ein wenig unsanft zu Boden, doch Schiri Gräfe lässt weiterspielen…so wie er auch die vorigen fünf Minuten alles hatte laufen lassen. Nur dem Pappas, dem passte das mal so gar nicht und senst jetzt retourkutschenmäßig Boll um…der Ball “kilometerweit” entfernt, direkt vor den Augen des Schiedsrichters…so schnell hatte es lange keine Rote Karte mehr gegeben. Farbtechnisch allerdings nur der Auftakt für fünf Gelbe im Laufe des Spiels. Geholfen hat der Platzverweis wie gesagt nicht…in der 23. Minute nämlich konnte Oczipka Aigner nur noch hinterherlaufen, der den Ball per Kopf zum 1:0 verwandelt: 1860 spielt sich auf halblinker Position frei, der Ball wird in den Sechzehner geflankt und während der Ball gefühlte Minuten unterwegs ist, stehen unsere vier Abwehrspieler wie angewurzelt an besagtem Sechzehner und simulieren eine Abseitsfalle. Derweil läuft Aigner ungestört weiter und köpft eine Bogenlampe über Hain hinweg. Wat soll ich sagen…es war kein Abseits und die Löwen kämpften, legten fleissig nach…und uns vorm Fernseher wurde immer kälter *heul* Während nebenan noch die Getränkestände der letzten Partynacht verglichen wurden, wünschte ich mir inzwischen ebenfalls einen schönen Rumgrog herbei…natürlich nur der Wärme wegen…
Die zweite Halbzeit begann Sankt Pauli hoffnungsvoll und energisch! Und da war er auch…der erste wärmende Torjubel!!! 51. Minute…Kalla schießt eine Flanke über rechts und Ebbers köpft den Ausgleich!!! Einige um uns rum schienen so eingefroren, dass das Tor mental doch recht spät ankam :.) Oder war’s das ungläubige Staunen nach zitieren “355.000.000 Millionen Minuten ohne Tor”? Egal, die Freude war riesig…jetzt war er wieder da, der Spaß! Nach einer Ecke von rechts kommt der Ball von 1860 erneut ans rechte Strafraumeck wo Kalla den Ball aufnimmt und halb Flanke, halb Torschuss einfach mal draufdrischt. Der Ball fliegt wie ein Strich quer durch den 16er auf den langen Pfosten, wo Ebbers ganz klar nicht im Abseits die Rübe hinhält und dat Dingen reinmacht. Und Sankt Pauli legte auch gleich nach…denn in der 57. Spielminute setzte sich Sukuta-Pasu einwandfrei vorm gegnerischen Tor durch und ballerte gegen den Pfosten…schade, aber nur ein weiteres positives Zeichen! Tja, und dann verlor Bruns den Ball und wir das Spiel…nein so pauschal war’s zwar nicht…aber dennoch führte der folgende Konter zum entscheidenden Führungstreffer der Löwen. Ignjovski lässt Thorandt wie einen Schuljungen aussehen, bringt den Ball über links und passt in den Rücken der Abwehr wo Aigner völlig unbedrängt zum 2:1 einschieben kann…KÄLTESTARRE setzte ein…eisig…
Sankt Paulis Energiebarometer passte sich schlagartig den Aussentemperaturen an…Leidenschaft? Kalt…Ideen? Noch kälter…und da wo die Spielfreude und -stärke der “guten Zeiten” fehlte, kam jetzt auch noch Pech dazu…sei es ein weiterer Pfostentreffer oder der nicht gegebene Elfmeter…ja richtig…der Elfmeter! In der 90. Minute bekommt Biancucchi den Ball an der Strafraumgrenze an die Hand…bzw. sogar an beide…in der Zeitlupe erinnerte das ganze ein wenig an einen HeißeKartoffelTanz. Und des Schiedsrichters Tröte blieb gar stumm…
…Der Elfmeter entschwand in weite Ferne…der Ausgleich wäre wahrhaft gut für’s Gemüt gewesen…Und als wenn unsere Tor- und Siegesflaute nicht ausreichen würde, gewinnen auch noch die, die es eigentlich jetzt grad nicht sollten…
Davon mal abgesehen, dass wir grenzenlos motivationsbefreit Fußball gespielt haben, wurde die Nervskala gleich nochmal durch nervtötendes auf Zeitspielen der 1860er strapaziert. Da fängt der Löwen-Torwart den Ball ohne Probleme im Stehen und wirft sich halt nochmal druff…doppelt hält eben besser…besonders wenn man in Führung liegt. Rösler wird in der 89. Minute ausgewechselt und spaziert in einem Tempo vom Platz, in der er locker für Mutti noch das Sonntagssträuschen pflücken könnte. Klar, das passiert nicht zum ersten Mal in einem Spiel namens Fußball…aber wenn man Anhänger der zurückliegenden Mannschaft ist, geht das einem gehörig auf den Keks…
Was mich zu der alles entscheidenden Frage führt…Wo ist der Spaß geblieben, liebe Sankt Pauli Mannschaft?
Nevertheless…wie mein Englischlehrer immer zu sagen pflegte….you’ll never walk alone!
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