Rumble on the Spielfeld
Daniela Schwabel am 28. März 2010
Und ich dachte, ich hätte nichts zu schreiben, wenn Hansa Rostock nur zur Hälfte anreist…aba anscheinend braucht es keine RostockFANS für akute Rudelbildung.
Die neue Kartenstrategie einiger Protagonisten und die Ankündigung von Protestaktionen ließen das sportliche Ereignis ein wenig in den Hintergrund rücken. So blieb die Südkurve für die ersten Minuten des Spiels leer, genauso wie der Gästeblock (die chronologische Reihenfolge war natürlich eine andere)…stattdessen hingen Plakate: “Stell Dir vor, es ist Fußball und keiner darf hin”. Die offene Solidaritätsbekundung der Sankt Pauli Fans eine gute Sache, die Selbstdarstellung einiger Protestler beim Wiedereinmarsch ein wenig daneben.
Die erste Chance des Tages lag bei den Rostockern, ansonsten begann das Spiel ziemlich torungefährlich. Nach rund einer halben Stunde Spielzeit verdichteten sich die interessanteren Szenen des Spiels. Angefangen mit einem relativ harmlosen Distanzschuss durch Naki in der 24. Minute, fortgesetzt mit Kuses verzogenem Sechzehnerversuch, Lechners gefährlicheren Querbalkenüberflug und beendet durch Ebbers Torwarttest: die Aufbauversuche zum ersten Tor. Übung macht den Meister und so folgte das 1:0 recht zügig: In der 41. Spielminute war es Schöneberg, der Ebbers mit einem Rückpatzer die Möglichkeit bot, sich die Kugel zu schnappen. Und die nutzte er! Torwart Walke sah daraufhin nicht unbedingt besser aus, denn dieser ging relativ weit aus dem Tor raus, erwischte den Ball nicht, Ebbers umrundete ihn mit links, ließ ihn wiederum rechts liegen und konnte den Ball ins leere Tor einschieben!!!! 1:0
Nach Vorübung und Torabschluss schienen nun sämtliche Dämme der Sankt Pauli-Spieler zu brechen und der Torschussversuchsreigen ging los…in der 53. Minute drang Naki mittig in den Rostocker Strafraum ein, aber statt selbst zu schießen, gab er nach links ab auf Takyi…gleiche Höhe…der schoss, Walke hielt und die Fahne prangte oben. Kurz danach war Naki ein wenig mutiger..ein wenig :.)) was auch prompt mit einem 2:0 belohnt wurde: Wir schreiben die 53. Minute und befinden uns am Strafraum der Rostocker, als Boll nach rechts auf Kruse abgibt, der zieht aus ebendieser rechten Position auf’s Tor ab, wird abgeblockt von Walke, Naki fängt den Ball aus der Drehung und diesmal kann Walke nichts ausrichten.
Sportlich sah die Situation alles andere als langweilig aus, das Spiel lebendig und Rostock bedrängt. Möglicherweise ist dadurch auch der negative “Übermut” eines Rostocker Spielers namens Retov zu erklären, der Naki in der 57. Minute brutal von hinten aushebelt. Das alleine schon eine dunkelrote Karte mit extra Pigmenten wert…doch nun stürmt Boll etwas übermütig heran, um Retov wahrscheinlich ganz ausgeglichen über seinen Fehler aufzuklären…der Zuschauer, der Schiri aber eigentlich auch der Retov selbst bekamen keine Gelegenheit, sich über die Intentionen Bolls Gedanken zu machen, denn das tapfere Schneiderlein Retov streckte Boll gleich mal per Kopfstoß danieder…wo er doch grad dabei war…zwei auf einen Streich! Akutes Rudelrumble on the Spielfeld…Herr Schiedsrichter Rafati zieht folgerichtig die Rote für Retov…doch was dann? In fast ein und derselben Bewegung auch für Boll!!!!!!!!!!
Wenn die Lage eben noch nicht gereizt und unübersichtlich pöbelig war, dann jetzt. Bolls rote Karte äußerst diskussionswürdig…die Haltung des Schiedsrichters allemal. Unglaubliche Szenen…Und wer hätte gedacht, dass am Ende des Spieltages die Krawallbilanz durch die Spieler selbst nach unten gezogen würde :.))
Wieder einmal ohne Fehl und Tadel präsentierte sich Hain, der einige seiner Glanzparaden zum Besten gab. Dass er überhaupt Arbeit hatte, lag aber auch an einigen Minuten in der fortgeschrittenen Spielzeit, in denen Sankt Pauli förmlich nach einem Anschlusstreffer zu betteln schien. Da wurde nicht richtig rausgespielt, Pässe kamen ebenso unrichtig an…doch zum Glück ohne nennenswerte Konsequenzen. Im Gegenteil, Sankt Pauli ging kurz vor Schluss nochmal nach vorne…bestes Beispiel: Kalla in der 85. Minute, schön geschickt von Hennings, im Alleingang gen Rostocker Tor, blieb aber leider an Rostock hängen. Kein dritter Treffer…und trotzdem ganz viel Spaß, denn inzwischen wurde jeder Ballkontakt vom Publikum mit “Huii” oder “Buuuuh” intoniert…je nachdem welche Mannschaft am Ball war…Eine völlig neue Form des Fußballkommentars :.)
Tja, ein ereignisreicher Spieltag war das! Eine hartumkämpfte Partie…”politisch” wie spielerisch…drei Punkte, kein Gegentreffer, zwei rote Karten, Boykott und Beinaheprügelei…während Hansa Rostock mit Schmähliedern verabschiedet wurden, machten unsere Spieler noch eine Extra-Welle vor Jahr100Elf-Mitglied Trulsen…
You’ll never walk ohne Gästefans again….bidde!
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